Im Berufsfeld „Ernährung und Hauswirtschaft“ kommen Maschinen (zum Beispiel Teigrührmaschinen und Spülmaschinen), Arbeitsmittel (zum Beispiel Messer und Trittleitern) und auch Gefahrstoffe (zum Beispiel Lösungs- und Reinigungsmittel) zum Einsatz. Zudem können Gefährdungen durch elektrischen Strom entstehen.
Der sichere Umgang mit elektrischem Strom, Gefahrstoffen, Arbeitsmitteln und Maschinen wird durch rechtliche Vorgaben geregelt. Hierzu gehören insbesondere das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Gegebenenfalls sind auch die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), die Biostoffverordnung (BioStoffV), die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) sowie die jeweiligen Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zu beachten.
Im Folgenden sind spezifische Vorgaben und Informationen beispielhaft zusammengestellt:
- Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS1 2111
„Mechanische Gefährdungen”
- Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 2111 Teil 1 „Mechanische Gefährdungen - Maßnahmen zum Schutz vor Gefährdungen beim Verwenden von mobilen Arbeitsmitteln“
- Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 2121 Teil 2
„Gefährdung von Beschäftigten bei der Verwendung von Leitern“
- Arbeitssicherheitsinformation ASI 7.10 „Sicherer Umgang mit Messern in Küchen“
- DGUV
Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)
- DGUV Regel 101-019
„Umgang mit Reinigungs- und Pflegemitteln” (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)
- DGUV Regel 110-001 „Arbeiten in
Gaststätten” (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)
- DGUV Regel 110-003 „Branche
Küchenbetriebe“ (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)
- DGUV Regel 110-007
„Verwendung von Getränkeschankanlagen“ (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)
- DGUV
Information 209-001 „Arbeiten mit Handwerkzeugen“ (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)
- Gefahrstoff-Informationssystem „WINGIS online“
Im Berufsfeld „Ernährung und Hauswirtschaft“ bestehen Gefährdungen beispielsweise
- an Ausgängen und Toren (zum Beispiel Quetschungen),
- beim Ver- und Bearbeiten von Lebensmitteln oder Teig mit Werkzeugen und Maschinen (zum Beispiel durch elektrische Spannung, Messereinsätze),
- beim Umgang mit Gefahrstoffen (zum Beispiel beim Benutzen von Putz- und Reinigungsmitteln),
- beim Arbeiten mit Handwerkzeugen und
- beim schweren Heben und Tragen (ohne Hebewerkzeuge).
Durch geeignete Schutzmaßnahmen werden die Gefährdungen so gering wie möglich gehalten. Die Schutzmaßnahmen werden nach dem STOP-Hierarchie-Prinzip angewendet:
S Substitution [Ersetzen des Gefahrstoffes oder der gefährlichen Tätigkeit]
T technische Maßnahmen [Zum Beispiel Absaugungen oder bauliche Maßnahmen]
O organisatorische Maßnahmen [Betriebsanweisungen, Unterweisungen, Arbeitsabläufe und -verfahren]
P persönliche Maßnahmen [Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) kommt zum Einsatz, wenn die
ersten drei Punkte des STOP-Prinzips die Gefährdung nicht ausreichend reduzieren]
Gefährdungen und Maßnahmen werden in einer Gefährdungsbeurteilung dokumentiert.
Vor Aufnahme einer fachpraktischen Tätigkeit müssen Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt und dokumentiert sowie Betriebsanweisungen erstellt und Unterweisungen vorgenommen werden (siehe Staatliches Arbeitsschutzrecht). Ausführliche Informationen finden Sie im Abschnitt Themenspezifische Hinweise unter Biologische Arbeitsstoffe, Gefahrstoffe und Maschinen und Werkzeuge.
Bei der Durchführung und Dokumentation einer arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung kann die kostenlose Software „GefBU“ (steht für „Gefährdungsbeurteilung“) der Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW) unterstützen.
Sie enthält ein spezielles Modul „Schulen“, in dem für ausgewählte Berufsfelder und Bereiche Muster-Gefährdungsbeurteilungen und Muster-Betriebsanweisungen bereitgestellt werden. Die Mustermaterialien sind von der Schule fachkundig zu prüfen und bei Bedarf gemäß den örtlichen Gegebenheiten spezifisch anzupassen.
Die Software GefBU, die Mustermaterialien und weitere Informationen können über das Portal UKBW-infoAS abgerufen werden. Hierbei ist die UKBW-Mitgliedsnummer der Schule anzugeben.
Für das Berufsfeld „Ernährung und Hauswirtschaft“ sind über das Portal UKBW-infoAS derzeit folgende Mustermaterialien für den Schulbereich abrufbar:
- Arbeiten in Großküchen an beruflichen Schulen
- Arbeiten mit dem 3D-Drucker (Lebensmitteltechnik)
Weitere GefBU-Mustermaterialien, die auch für das Berufsfeld „Ernährung und Hauswirtschaft“ hilfreich sein können, sind auf dem Portal in den Bereichen „Elektrotechnik“ und „Übergreifendes“ zu finden.
Auf dem Portal UKBW-infoAS sind weitere Arbeits- und Orientierungshilfen in verschiedenen Rubriken abrufbar.
Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für die Ernährungs- und Hauswirtschaftsbranche.
Der Unfallversicherungsträger der öffentlichen beruflichen Schulen in Baden-Württemberg ist die Unfallkasse Baden-Württemberg. Die Informationen der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) können als Arbeits- und Orientierungshilfe herangezogen werden, zum Beispiel für die Beurteilung von Gefährdungen und für Erstellung von Betriebsanweisungen. Sie sind jedoch für die öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg nicht verbindlich.
Alle verwendeten Mustermaterialien sind von der Schule fachkundig zu prüfen und bei Bedarf gemäß den örtlichen Gegebenheiten spezifisch anzupassen.